Ernährung bei Niereninsuffizienz beim Hund: Was du wissen solltest

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz (CNI) spielt die Ernährung eine (wenn nicht DIE) entscheidende Rolle. Sie ist einer der wichtigsten Bausteine, um die Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität damit deutlich zu verbessern. Nur mit einer individuell angepassten Ernährung können auch alle anderen Therapieformen effektiver wirken.

Dieser Artikel soll dir als Ratgeber dienen, ersetzt aber nicht die Untersuchung / Beratung durch deinen Tierarzt.

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Hier beleuchten wir die wichtigsten Aspekte einer geeigneten Ernährung bei Hunden mit chronischer Niereninsuffizienz.

Erfahre, welche Ernährungsprinzipien bei einer chronischen Niereninsuffizienz beachtet werden sollten, welche Nährstoffe besonders wichtig sind und wie individuelle Ernährungspläne dazu beitragen können, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Ernährung für den Hund bei Krankheit und Darm Problemen in der Region Esslingen

Iris Gunzenhauser
Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen

Was sind die Aufgaben der Nieren?

Die Nieren haben im Organismus eine herausragende Rolle. Sie kontrolliert die Abgabe von Wasser, Salzen und gelösten Stoffen aus dem Blut und bildet aus ihnen den Urin. Erkrankungen der Niere kommen leider recht häufig vor.

Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem

  • Filtert Abfallprodukte und giftige Substanzen um diese auszuscheiden. Dazu gehören Stoffwechselprodukte wie Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin oder auch Medikamente, Umweltgifte, Schimmelpilze und noch vieles mehr
  • Steuerung des Wasser- und Salzhaushalt des Körpers
  • Regulierung des Blutdrucks
  • Produktion von Hormonen, welche u.a. die Produktion der roten Blutkörperchen beeinflussen

Was passiert bei einer Niereninsuffizienz?

Eine chronische Niereninsuffizienz (CNI) ist eine fortschreitende, nicht heilbare Erkrankung der Nieren, bei der die Fähigkeit der Organe, Abfallprodukte und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut zu filtern, dauerhaft abnimmt. Dies führt zu einer Ansammlung von Giftstoffen im Körper, die verschiedene Organsysteme belasten.

Die Häufigkeit von CNI bei Hunden steigt mit dem Alter. Es wird geschätzt, dass ältere Hunde besonders anfällig sind, da die Nierenfunktion im Laufe der Jahre natürlicherweise abnimmt. Bei jungen Hunden tritt die Erkrankung seltener auf, kommt jedoch in bestimmten Fällen, wie bei genetischen Prädispositionen oder angeborenen Fehlbildungen, vor.

Eine frühzeitige Diagnose und angepasste Ernährung sind entscheidend, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität des betroffenen Hundes zu erhalten.

Was sind die ersten Anzeichen und Symptome einer chronischen Niereninsuffizienz?

Die ersten Anzeichen und Symptome einer chronischen Niereninsuffizienz bei Hunden sind oft subtil und können leicht übersehen werden, vor allem in den frühen Stadien der Erkrankung. Hundebesitzer sollten besonders auf folgende Symptome achten:

  • vermehrtes Trinken und Urinieren
  • Gewichtsverlust
  • verminderter oder gesteigerter Appetit
  • wiederkehrendes Erbrechen
  • neurologische Störungen
  • breiiger Kot
  • schlechtes Fell
  • Müdigkeit und Schwäche

CNI ist nicht heilbar, aber die richtig angepasste Ernährung kann den Verlauf positiv beeinflussen

Die Fütterung ist eine der größten „Stellschrauben“ um den Status Quo der chronischer Nierenerkrankungen zu erhalten und den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen. Da sich Nierengewebe nicht erneuern kann ist daher eine frühe Diagnose und eine dementsprechend angepasste Fütterung sehr, sehr wichtig.

Leider hält sich die Aussage hartnäckig, den Eiweißgehalt des Futters sofort zu senken, da sich die Erkrankung ansonsten verschlimmert und den Verlauf beschleunigen würden. Es ist jedoch mittlerweile mehrfach bewiesen das dies nicht der Fall ist. Der Körper braucht Eiweiß zwingend um Gewebe aufzubauen und zu erhalten, auch das der Nieren.

Viel wichtiger ist es von Beginn an den Phosphorgehalt des Futters zu senken, da die Phosphorausscheidung gestört ist und diese die Nieren extremem belastet. Erst ab einem bestimmten Schweregrad der Erkrankung muss dann auch der Proteingehalt der Nahrung reduziert und an das jeweilige Stadium angepasst werde.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Hunden mit chronischer Niereninsuffizienz

Die Ernährung spielt bei Hunden mit chronischer Niereninsuffizienz (CNI) eine entscheidende Rolle, da sie helfen kann, die Nieren zu entlasten, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität des Hundes zu verbessern.

Die Fütterung ist eine der größten „Stellschrauben“ um den Status Quo zu chronischer Nierenerkrankungen zu erhalten und den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen.

Entlastung der Nieren
Die Nieren filtern Abfallstoffe und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut. Bei einer Niereninsuffizienz sind sie in ihrer Funktion eingeschränkt. Eine speziell angepasste Ernährung mit jeweils an das Stadium angepasstem Phosphor- und Proteingehalt kann helfen, die Menge der im Blut zirkulierenden Abfallprodukte zu senken, wodurch die Belastung der Nieren reduziert wird.

Verlangsamung des Krankheitsverlaufs
Eine optimal an das Stadium angepasste Fütterung kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Besonders wichtig ist die Kontrolle des Phosphorgehalts in der Nahrung, da ein hoher Phosphorgehalt die Nierenfunktion weiter verschlechtern kann.

Aufrechterhaltung der Muskelmasse
Eine proteinarme Ernährung muss sorgfältig abgestimmt sein, um sicherzustellen, dass der Hund genügend Energie und Nährstoffe erhält, um seine Muskelmasse zu erhalten und Mangelernährung zu vermeiden.

Reduzierung von Entzündungen
Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl haben entzündungshemmende Eigenschaften und können helfen, die Nierenschäden zu mindern. Diese Fette unterstützen nicht nur die Nierenfunktion, sondern tragen auch zur allgemeinen Gesundheit des Hundes bei.

Förderung der Hydration
Da Hunde mit Niereninsuffizienz häufig viel Wasser verlieren, ist es wichtig, die Wasseraufnahme zu fördern. Eine angepasste Ernährung kann helfen, den Flüssigkeitshaushalt des Hundes zu stabilisieren.

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Ernährungsziele & wesentliche Nährstoffparameter

Es ist wichtig, die gesamte Ernährung des Hundes sorgfältig zu planen, um sicherzustellen, dass er ausreichend Nährstoffe erhält. Eine Beratung durch den Tierarzt oder einen spezialisierten Tierernährungsberater ist unerlässlich, um eine ausgewogene, phosphorreduzierte Ernährung zu gewährleisten und eine Verschlechterung der Nierenfunktion zu vermeiden.

Die Entwicklung eines individuellen Ernährungsplans für einen Hund mit chronischer Niereninsuffizienz (CNI) erfordert eine sorgfältige Planung und die Berücksichtigung mehrerer Faktoren, um die speziellen Bedürfnisse des Hundes zu erfüllen und die Nieren zu entlasten. Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  • Eventuelle Grunderkrankung behandeln
    Infektionen der Nieren oder der Harnwege, Vergiftungen, Harnsteine, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Tumore oder Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder auch Lebererkrankungen können zu einer CNI beitragen bzw. den Verlauf negativ beeinflussen. Daher ist die Behandlung von bestehenden Grunderkrankungen stets erforderlich.

  • Individuelle Bedürfnisse des Hundes berücksichtigen
    Das Alter, das Gewicht, die Aktivitätslevel und eventuelle Begleiterkrankungen des Hundes müssen in den Plan mit einbezogen werden.
    Der Ernährungsplan sollte auch an die Vorlieben des Hundes angepasst werden, um sicherzustellen, dass er das Futter akzeptiert und gerne frisst.

  • Phosphor reduzieren
    Phosphorreiche Lebensmittel wie Kochen oder Innereien sollten zu Beginn einer CNI reduziert und im Verlauf evtl. komplett vermieden werden.

  • Proteinzufuhr anpassen
    Das Futter sollte hochwertige, leicht verdauliche Proteine in moderaten Mengen enthalten, um die Nieren zu entlasten, aber dennoch eine ausreichende Versorgung mit Aminosäuren sicherstellen. Hierzu zählen u. a. hochwertiges Muskelfleisch, Eier und Milchprodukte.

  • Natrium (Salz) senken
    Ein zu hoher Natriumgehalt führt dazu, dass der Körper mehr Wasser bindet. Dieses erhöhte Blutvolumen steigert den Blutdruck (Hypertonie). Da die Nieren bei einer Insuffizienz empfindlich auf Druck reagieren, kann dieser hohe Blutdruck die noch verbliebenen Filterstrukturen zusätzlich schädigen und die Verschlechterung der Nierenfunktion beschleunigen.

  • Gesunde Fette und Omega-3-Fettsäuren hinzufügen
    Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl oder Algenöl können helfen, Entzündungen zu reduzieren und die Nierenfunktion zu unterstützen. Diese sollten in den Plan integriert werden, um den Hund zusätzlich zu stärken.

  • Wasseraufnahme fördern
    Die Nieren sind maßgeblich an der Filtration von Abfallstoffen aus dem Blut und der Regulierung des Wasserhaushalts beteiligt. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hilft, die Nieren zu spülen und die Ausscheidung von Abfallstoffen zu erleichtern.

  • Stress vermeiden
    Stress kann die Nieren zusätzlich stark belasten, sorge daher für ausreichend Ruhe und versuche Stress für deinen Hund weitgehend zu vermeiden.

  • Regelmäßige Überwachung und Anpassung
    Der Ernährungsplan sollte regelmäßig überprüft und angepasst werden, basierend auf den aktuellsten Werten, dem Stadium sowie dem Gesundheitszustand des Hundes um so sicherzustellen das die Fütterung jederzeit optimal angepasst ist.

Alle Fütterungsmaßnahmen sollten immer in Abgleich mit den Blutwerten und dem vorhandenen Schweregrad der Symptome erfolgen.

Häufige Fragen & Mythen

Antwort: Nein, keinesfalls. Dein Hund braucht Eiweiß (Protein) dringend für den Erhalt der Muskulatur, die Immunfunktion und die Regeneration. Es ist aber entscheidend, dass die Menge und vor allem die Qualität des Proteins angepasst werden.

  • Menge: Das Protein wird nicht von Beginn an drastisch reduziert, sondern auf ein bedarfsgerechtes Niveau reduziert, jeweils an das Stadium der Niereninsuffizienz angepasst.
  • Qualität: Verwendet werden sollte hochwertiges Protein (z.B. Muskelfleisch, Ei). Hochwertiges Protein produziert weniger stickstoffhaltige Abbauprodukte (Harnstoff), die die Niere belasten.

Fazit: Es geht um kontrollierte Menge und höchste Qualität, nicht um Verzicht.

Antwort: Bei der Nierendiät sind Kartoffeln oft die bessere Wahl als Reis.

  • Warum Kartoffeln besser sind: Kartoffeln enthalten im Vergleich zu Reis deutlich weniger Phosphor. Aber auch hier kommt es auf die Menge der gefütterten Kohlenhydrate sowie den Gesamt-Phosphorgehalt der Nahrung an.
  • Wichtig: Der Kohlenhydratanteil in der Nierendiät dient hauptsächlich dazu, die Energiezufuhr zu sichern, vor allem dann wenn ein Hund Fett schlecht verträgt.

Fazit: Kartoffeln sind aufgrund des geringeren Phosphorgehalts in der Regel zu bevorzugen, aber die gesamte Kohlenhydratbasis muss individuell abgestimmt werden.

Antwort: Bestimmte, gezielte Nahrungsergänzungsmittel und Naturprodukte sind bei der Nierendiät sehr sinnvoll und oft essenziell – aber nur die richtigen.

  • Antioxidantien/Omega-3: Hochwertige Omega-3-Fettsäuren (Fisch- oder Algenöl) wirken entzündungshemmend und können die Durchblutung der Niere unterstützen.
  • B-Vitamine: Nierenkranke Hunde verlieren wasserlösliche Vitamine (wie B-Vitamine) verstärkt über den Urin. Eine Supplementierung ist oft notwendig.
  • Phosphatbinder: Sind ab bestimmten Blutwerten notwendig, um überschüssigen Phosphor im Darm zu binden, damit dieser nicht ins Blut aufgenommen wird.
  • Nierenkräuter: Wie z.B. Brennnesselblätter, Birkenblätter und/oder Goldrutenkraut wirken harntreibend und helfen beim Durchspülen der Nieren (Vorsicht bei Allergikern).

Vorsicht: Ungenaue oder unkontrollierte Naturprodukte können das Gegenteil bewirken (z.B. können manche Kräuter den Kaliumspiegel verändern). Jede Ergänzung muss gezielt und auf Basis der aktuellen Blutwerte erfolgen.

Fazit: Sinnvolle Ergänzungen sind ein wichtiger Pfeiler der Therapie, müssen aber immer individuell berechnet und mit dem Tierarzt oder Ernährungsberater abgestimmt werden.

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